Mit Rauch und Riten verabschiedet: Sterbliche Überreste indigener Australier kehren in ihre Heimat zurück

Der formelle Akt hat nur wenige Minuten gedauert: Zwei Unterschriften auf zwei Dokumenten und die sterblichen Überreste von fünf indigenen Australiern gingen aus den Meckelschen Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in Verantwortung von Australien über. Doch die Zeremonie in der Australischen Botschaft in Berlin war sehr viel mehr, vor allem an Mitmenschlichkeit: Die Bereitschaft, Verantwortung für Menschen zu übernehmen, denen in der Vergangenheit viel Unrecht geschehen ist und die als „wissenschaftliche Objekte“ in diversen Sammlungen in Deutschland aufbewahrt wurden. Aber auch die Bereitschaft, zu Versöhnung, Heilung, Gerechtigkeit und der Stärkung von Familienbanden beizutragen, in dem diese Menschen in die Obhut ihrer Nachfahren gegeben wurden und nun in ihre australische Heimat zurückkehren. Und die Bereitschaft der Australischen Regierung, die indigenen Völker dabei zu unterstützen, wie Botschafterin Lynette Wood zum Ausdruck brachte.

An der sogenannten „Repatriation Ceremony“ nahmen von der halleschen Universitätsmedizin die Direktorin des Instituts für Anatomie und Zellbiologie (IAZ), Prof. Dr. Heike Kielstein, sowie der Vorsitzende des Fördervereins der Meckelschen Sammlungen und ehemalige Direktor des IAZ, Prof. Dr. Dr. Bernd Fischer, sowie der Leiter des Referats Hochschulmedizin im sachsen-anhaltischen Wissenschaftsministerium Uwe Paul teil. Außerdem waren die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange und Vertreter von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu Gast; das Bundesland gab sterbliche Überreste von 37 Menschen an Australien zurück. Continue reading

„Innovation Camp“ generiert viele neue Ideen zur Zukunft der Gesundheitsversorgung

Die Arbeit in den Arbeitsgruppen bildete den Hauptteil des Innovation Camps. (Bild: Jakob Adolphi)

„Versuchen Sie, Sektorgrenzen niederzureißen und zu überwinden“, sagte Prof. Dr. Michael Gekle in seiner Begrüßung gestern nach Staatssekretär Dr. Jürgen Udes Eröffnung des zweitägigen „Innovation Camps für Zukunftskonzepte zur Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum“ in der ehemaligen Klinik für Orthopädie auf dem Medizin-Campus Steintor.

Die rund 120 Teilnehmenden sollen sich nicht Partikularinteressen und Fachkräftekategorisierungen leiten lassen, nur dann sei es möglich, wirklich neue und innovative Ansätze zu entwickeln. Durchlässigkeit und Substitution, die Verschiebung von bisherigen Grenzen müssten berücksichtigt werden, um feststellen zu können, wo es einen tatsächlichen Mangel gebe. „Seien Sie mutig. Wenn Sie Lösungen haben, bei denen Ihnen alle auf die Schulter klopfen, dann sind sie falsch“, so der Dekan der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bewusst provokativ.

Außerdem, so Gekle, solle die Wirksamkeit der erdachten Werkzeuge, das heiße auch die Messbarkeit, mitberücksichtigt werden, gab er den Teilnehmenden aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, darunter auch Schülerinnen und Schüler oder Vertreter von Seniorenverbänden, mit auf den Weg.

Immerhin hat sich das Innovation Camp, das sich gegen zahlreiche Bewerber als einziges in Deutschland bei der EU-Kommission durchsetzen konnte, konkrete Problemfelder vorgenommen: medizinische Grundversorgung in ländlichen Gebieten, die Digitalisierung in der Pflege, Barrierefreiheit, Fachkräfte in der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum und die Integration von internationalen Fachkräften in der Pflege. Diese seien existierende Probleme, auf die man im ländlichen Raum Sachsen-Anhalts gestoßen sei, die als Modell für ähnliche Strukturen deutschlandweit gelten können und für die es Lösungen brauche, so die Projektverantwortlichen Dr. Patrick Jahn und Dr. Karsten Schwarz. Das Innovation Camp reiht sich in das Projekt „Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung (TDG)“ ein, das erst jüngst vom BMBF für eine Förderung bis 2025 mit acht beziehungsweise – nach erfolgreicher Zwischenevaluierung – mit 15 Millionen Euro auserkoren wurde und das auf innovative Weise Bürgerinnen und Bürger, aber auch Experten unterschiedlichster Branchen einbindet. Continue reading