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… auf dem Wissenschaftsblog der Universitätsmedizin Halle (Saale)!

Hier finden Sie in loser Folge aktuelle Berichte aus den Bereichen Forschung und Lehre der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Der Blog ist eine Ergänzung zur Internetpräsenz der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums Halle (Saale):
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„Digitale Helferlein“ in der Medizin: Hallesches Programm bildet Ärztinnen und Ärzte auf dem Gebiet der Digitalisierung weiter

Eine fiktive Situation, die sich aber so oder ähnlich künftig häufiger zutragen kann: Die Smartwatch von Schauspielpatientin Juliane Heinroth hat über einen Zeitraum von zwei Monaten mehrmals Alarm geschlagen, weil die Herzfrequenz sehr hoch war. Mit den Daten aus ihrer App geht sie zum Arzt und möchte das abklären, weil sie sich Sorgen macht. Der Mann einer Bekannten hätte das auch gehabt und sei eines Tages einfach umgekippt. „Plötzlicher Herztod“, schildert sie glaubhaft in ihrer Rolle ihre Angst. „Ich habe tatsächlich eine Smartwatch und konnte mich in die Situation gut reindenken“, sagte Heinroth im Nachgang des Übungsgesprächs.

Philipp Steinau in der Rolle des Arztes muss nun einschätzen können, wie aussagekräftig die Daten der Smartwatch sind, aber – und das wird deutlich – es ersetzt nicht das Patientengespräch, denn die Daten müssen in einen Kontext eingeordnet werden. Und so entscheidet sich Steinau dafür, dass die Schauspielpatientin ein EKG erhält und sich beim Auftreten auffälliger Werte auch Notizen macht, in welcher Situation sie sich befand. Später solle das dann ausgewertet und eine gegebenenfalls notwendige Behandlung eingeleitet werden.

CÄWIN – das ist der Name des Projekts „Digitalisierung in der Medizin – Curriculum für die ärztliche Weiterbildung“, in dem das erwähnte Gespräch als Teil des ersten Praxistags am Dorothea Erxleben Lernzentrum (DELH) der Universitätsmedizin Halle stattgefunden hat. „Uns hat sehr gefreut, dass sich neben den eigentlich angesprochenen Assistenzärztinnen und -ärzten auch Fach- und Oberärztinnen und -ärzte dafür angemeldet haben. Das zeigt, dass das Thema Digitalisierung in der Medizin als Weiterbildungsinhalt wahrgenommen wird“, sagt die wissenschaftliche Projektkoordinatorin Dr. Josefin Bosch, die das Curriculum zusammen mit der ärztlichen Koordinatorin Christiane Ludwig entwickelt hat. „Der erste Durchgang ist zunächst nur für Ärztinnen und Ärzte der Universitätsmedizin Halle vorgesehen, aber es wird angestrebt, diesen Kurs künftig regulär allen Ärztinnen und Ärzten anzubieten, die sich zu digitalen Themen in der Medizin weiterbilden wollen.“

Dr. Josefin Bosch erklärt am digitalen Whiteboard den Tagesablauf des ersten Praxistages des Weiterbildungsprojekts „CÄWIN“. Dieses soll Ärztinnen und Ärzte mit Digitalisierung in der Medizin vertraut machen.

Auch andere digitale Gesundheitsanwendungen, oder kurz DiGa, gewinnen an Bedeutung und werden mittlerweile per Verordnung auch von Krankenkassen übernommen, sozusagen „Apps auf Rezept“. Das Für und Wider dieser Entwicklung diskutierte eine zweite Gruppe zusammen mit Christiane Ludwig. „Der Behandlungserfolg muss nachgewiesen werden, das heißt, einfach nur per App Tagebuch führen reicht zur Zulassung einer DiGA nicht aus“, sagt Ludwig. Neben der Anwendung der „digitalen Helferlein“ brauche es somit auch die wissenschaftliche Auswertung mit Studien.

Außerdem ging es beim Praxistag um Vertiefungen in den Bereichen Telemedizin, Telematikinfrastruktur vor allem zur elektronischen Patientenakte, aber auch um die Perspektive der Patientinnen und Patienten. In den zuvor online absolvierten sechs Modulen hatten sich die Teilnehmenden bereits mit den theoretischen Grundlagen, zum Beispiel mit der Begrifflichkeit Digitalisierung, wichtigen digitalen Tools, Künstlicher Intelligenz oder auch ethischen Aspekten auseinandergesetzt.

Der Auftakt des Weiterbildungsprojekts „CÄWIN“ fand online mit allen Teilnehmenden statt.

„Unser Kurs soll grundlegende Kompetenzen der Digitalisierung in der Medizin vermitteln“, sagt Josefin Bosch. Damit ergänzt CÄWIN die Strategie der Universitätsmedizin Halle auch für den Bereich der Weiterbildung, denn im Medizinstudium in Halle gibt es mittlerweile ein verpflichtendes Digitalisierungs-Curriculum. „CÄWIN“ war 2020 vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft im Rahmen des Förderprogramms „Smart qualifiziert“ zunächst als eines von zehn Projekten für eine Förderung in Höhe von 10.000 Euro ausgewählt worden. Kurze Zeit später konnte es sich als eines von vier Projekten in einer finalen Runde durchsetzen und erhielt eine Förderung von 100.000 Euro.

Innovations-Kultur-Sommer: Im Dialog neue digitale Ideen in der Gesundheitsversorgung entwickeln

Dr. Elisa Haucke (r.) ermittelte im Gespräch mit den Seniorinnen und Senioren die Alltagsherausforderungen und Bedürfnisse älterer Menschen.
(Foto: Universitätsmedizin Halle)

Ohne Scheu wird die Küchenzeile aus Pappe in Beschlag genommen. Es werden der Backofen und der Geschirrspüler geöffnet, Messer und Gabel aus Pappe in die Hand genommen und der Kühlschrank inspiziert – ebenfalls aus Pappe. „Aber der ist eigentlich zu niedrig. Man kann sich im Alter einfach nicht mehr so gut bücken und kommt nur schlecht in die hinteren Bereiche“, kommen erste Hinweise vom Ehepaar Schmidt. „Alltägliche Aufgaben können gerade im Alter schnell zur Herausforderung werden“, erklärt Dr. Elisa Haucke, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Verantwortliche für das „Innovation Lab für digital unterstützte Gesundheitsversorgung“, das im Dorothea Erxleben Lernzentrum der Universitätsmedizin Halle untergebracht ist. „In unserem ‚Papp Labor‘ können wir ohne großen Aufwand nahezu jegliche häusliche Situation nachbilden und die Probleme gezielt identifizieren“, so die Wissenschaftlerin.

„Alltägliche Aufgaben können gerade im Alter schnell zur Herausforderung werden.“

Dr. Elisa Haucke

Zuvor hatte Haucke die Einführung in die Auftaktveranstaltung des „Innovations-Kultur-Sommers“ an diesem 3. August 2021 übernommen. An insgesamt acht Terminen werden in der Veranstaltungsreihe bis Ende September verschiedene Schwerpunkte zum Thema „digitale Gesundheitsversorgung“ gesetzt und ganz verschiedene Zielgruppen angesprochen, sich zu beteiligen. „Unsere Veranstaltungsreihe soll auch dazu dienen, die Herausforderungen zu identifizieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln“, erläutert Haucke. Dafür sei die Einbeziehung der Betroffenen sehr wichtig. An diesem 3. August waren es 14 Seniorinnen und Senioren, die in kreativer Atmosphäre über Probleme und Bedürfnisse in der Häuslichkeit sprechen konnten. Spannende Impulse gab es durch die Vorführung von bereits bestehenden innovativen Lösungen. Sie erfuhren etwas über Exoskelette, die unterstützen können, wenn die körperliche Kraft nachlässt oder über die Möglichkeiten der Unterstützung von Robotern im häuslichen Umfeld.

Und die hatten auch sichtlich Spaß und Interesse an der Diskussion, gaben wichtige Anregungen und erläuterten auch die Probleme – zum Beispiel, die Bedienung des Herdes bei Seheinschränkungen oder die alltäglichen Herausforderungen durch ein nachlassendes Kurzzeitgedächtnis, wie Einkauflisten anfertigen und Merkhilfen schreiben. „Die persönlichen Erfahrungswerte von Senioren und Seniorinnen sind für uns wichtige Impulse um neue digitale Lösungen für den Autonomieerhalt im Alter zu entwickeln“, so Haucke. Die persönlichen Erfahrungswerte von Senioren und Seniorinnen sind für wichtige Impulse für die Forschenden der Universitätsmedizin und der Universität Halle, um digitale Lösungen zu erarbeiten und zu erforschen. „Je mehr Technik involviert ist, desto schwieriger wird es für die Anwenderinnen und Anwender, das muss man durchaus mitberücksichtigen“, so die studentische Mitarbeiterin Ivonne Kalter, die ebenso wie Charlotte Buch und Elisa Haucke den Workshop betreute.

Alle gesammelten Bedarfe und Herausforderungen fließen am 20. September in den „Ideathon“-Workshop ein, der erste Lösungsansätze liefern soll. Den Abschluss bildet am 30. September eine Filmvorführung. Der „Innovations-Kultur-Sommer“ wurde von der Univations GmbH mitinitiiert sowie vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Dieter-Schwarz-Stiftung unterstützt.

Alle Termine der Reihe finden Sie im Veranstaltungsflyer hier. Aus Kapazitätsgründen ist eine Anmeldung notwendig. Diese ist per E-Mail an anmeldung@univations.de möglich.

Digital vernetzt durch die Pandemie: Universitätsmedizin Halle unterstützt Landesseniorenvertretung

Mit einem Einstiegsworkshop hat die neue Workshop-Reihe „Gemeinsam die Zukunft gestalten“ von Universitätsmedizin Halle und Landesseniorenvertretung Sachsen-Anhalt begonnen.

Die Universitätsmedizin Halle und die Landesseniorenvertretung Sachsen-Anhalt haben die Workshop-Reihe „Gemeinsam die Zukunft gestalten“ ins Leben gerufen. Dazu hat nun ein virtueller Einstiegsworkshop unter dem Motto „Digital vernetzt durch die Pandemie“ mit breiter Beteiligung stattgefunden. In diesem wurden die Seniorinnen und Senioren an die digitale Kommunikationsmöglichkeit der Videokonferenz herangeführt.

Außerdem wurden ihnen die Projekte „Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung (TDG)“ und „Innovation Lab für digital unterstützte Gesundheitsversorgung“ vorgestellt. Das Ziel dieser Projekte ist die Verbesserung der Gesundheitsversorgung sowie der Autonomieerhalt im Alter mithilfe digitaler Technologien. „Dafür brauchen wir die Rückmeldungen, Anregungen und Ideen von Betroffenen, auch für neue Projekte innerhalb unseres TDG-Bündnisses“, so TDG-Koordinator Dr. Karsten Schwarz, der den Workshop zusammen mit Dr. Elisa Haucke betreut hat. Haucke ist verantwortlich für das „Innovation Lab“, das den Einsatz neuer Technologien in der häuslichen Umgebung erforscht.

„Die älteren Menschen in Sachsen-Anhalt stehen vor großen Herausforderungen. Besonders die Kontaktbeschränkungen während der Pandemiezeit machen die Arbeit der Landesseniorenvertreterinnen und -vertreter nahezu unmöglich“, sagt Angelika Zander, Vorsitzende der Landesseniorenvertretung Sachsen-Anhalt.

Damit die Arbeit auch unter Pandemiebedingungen aufrechterhalten werden kann, hat das Sozialministerium des Landes die Landesseniorenvertreterinnen und -vertreter mit Laptops ausgestattet. „Die Stimme der Senioren und Seniorinnen im Land ist wichtig. Mithilfe digitaler Werkzeuge können die Arbeit und die Kommunikation wiederaufgenommen werden. Auch über die Pandemie hinaus bieten digitale Technologien großes Potenzial für den Alltag älterer Menschen“, sagte Susi Möbbeck, Staatssekretärin im Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration, die am Einstiegsworkshop teilnahm.

In Vorbereitung auf den Workshop wurden die einzelnen Laptops persönlich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universitätsmedizin Halle übergeben und vor Ort mit den Beteiligten eingerichtet. Im Workshop selbst konnten die Landesseniorenvertreterinnen und -vertreter nach einer umfassenden Einführung die vielfältigen technischen Möglichkeiten ausprobieren und sich in virtuellen Breakout-Räumen auch mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über Einsatzpotenziale digitaler Technologen austauschen. „Ich freue mich sehr über die ausgelassene Atmosphäre und dass sich unsere Seniorenvertretung seit langem mal wieder sehen konnten. Wir freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit mit der Universitätsmedizin Halle“, so Zander.

Der nächste Workshop ist laut Schwarz und Haucke für Anfang Juni geplant. Darin soll gemeinsam erarbeitet werden, wie eine strukturierte und inspirierende Zusammenarbeit zwischen Universitätsmedizin und den Landesseniorenvertretern in Zukunft gestaltet werden kann.

Meckelsche Sammlungen stehen Forschenden nun als Online-Datenbank zur Verfügung

In Zusammenarbeit mit dem IT-Servicezentrum (ITZ) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist eine Online-Datenbank für die Meckelschen Sammlungen erstellt worden. Die Sammlungen, die sich im Institut für Anatomie und Zellbiologie der Medizinischen Fakultät befinden, verfügen über rund 8 000 medizinische und zoologische Exponate. Darunter sind einzigartige und medizinhistorisch äußerst wertvolle Präparate, die bis ins 18. Jahrhundert zurückgehen. „Alle vorliegenden Informationen zum Objekt sind nun erstmalig auf einen Blick verfügbar, wie Fotos des Objektes, die Präparatenummer und Datierung, historische Katalognummern und Etikettangaben, aber auch Hinweise zum Präparator, Provenienz, eine Beschreibung und Literaturangaben“, erläutert Institutsdirektorin Prof. Dr. Heike Kielstein. Die Online-Datenbank sei passwortgeschützt und für Forschende gedacht.

Die Datenbank dient einerseits der Bestands- und Zustandserfassung sowie der Sicherung der Präparate. Andererseits schließt sie auch die zum Teil damalige grafische Dokumentation der Präparate der Meckel-Ära ein. Sie kann nach unterschiedlichen Fragestellungen gerastert werden und ermöglicht so eine vertiefende wissenschaftliche Recherche. Claudia Steinicke, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Anatomie und Zellbiologie, hat bereits 7090 Exponate in der Datenbank erfasst. Hierbei konnten unter anderem drei Präparate der Wilhelm-Roux-Sammlung für Entwicklungsmechanik im Sammlungsbestand wiederentdeckt und dieser zugeordnet werden. Zusätzlich gelang anhand von Recherchen in den historischen Institutskatalogen bei 16 bisher undatierten Präparaten eine zeitliche Einordnung sowie bei fünf Präparaten eine Zuordnung des Präparators. „Zwangsläufig beschäftigt man sich bei der Eingabe der Informationen mit dem historischen Hintergrund der Exponate. Dies ist eine unglaublich spannende Arbeit, bei der man auch einmal auf kuriose Geschichten stößt“, so Steinicke.

Einige Exponate schlummerten in den Vitrinen eher im Verborgenen ohne überlieferte Informationen. Zu diesen „Neuentdeckungen“ gehören beispielsweise zwei Exponate eines bekannten Hermaphroditen, der im 19. Jahrhundert gegen Geld regelrecht auf Tour ging und bei zahlreichen europäischen Experten vorstellig wurde, um die Geschlechtszugehörigkeit von diesen begutachten zu lassen. Zu diesen und weiteren Exponaten mit besonderer Geschichte, die im Rahmen ihrer Recherchearbeit eruiert wurden, ist ein Büchlein geplant.

„Des Weiteren erfolgte auch eine erstmalige Inventarisierung der im Institut vorhandenen 276 Wachsmodelle der bekannten Firma Ziegler. Diese war zwischen 1852 und 1918 die kommerziell erfolgreichste Firma in der internationalen Produktion entwicklungsgeschichtlicher Wachsmodelle und erlangte mit der Teilnahme an Weltausstellungen, wie 1867 in Paris, 1873 in Wien und 1893 in Chicago, internationales Renommee“, so Kielstein weiter. Die Wachsmodelle werden derzeit noch fotografisch erfasst, sodass auch von diesen Modellen Fotos in der Datenbank vorliegen werden.

Auch heute dienen die Meckelschen Sammlungen, die seit 2015 zu den „National wertvollen Kulturgütern Deutschlands“ zählen, mit ihrem reichen Fundus Forschenden aus unterschiedlichen Disziplinen als Informationsquelle. So bearbeitet Claudia Steinicke beispielsweise Rechercheanfragen vom Centre for Heritage & Museum Studies in Canberra (Australien), von Walforschern aus Dänemark, der Kunstuniversität Linz oder der Klassik Stiftung Weimar.

Wissenschaftliche Anfragen können gerne per Mail (meckelschesammlungen@medizin.uni-halle.de) gestellt werden. Forschende können auch vor Ort in der Datenbank selbst recherchieren.

Ärztinnen und Ärzte in Praxen werden zu Klimaschutzmaßnahmen befragt

Wie bewerten niedergelassene und angestellte Ärztinnen und Ärzte das Potenzial von Klimaschutzmaßnahmen im ambulanten Bereich? Eine Umfrage zu möglichen Klimaschutzmaßnahmen wird seit Anfang Oktober 2020 von der Global-Health-AG des Instituts für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik der Medizinischen Fakultät der Universität Halle und der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen durchgeführt.

In einer Studie sollen Ärztinnen und Ärzte zu Klimaschutzmaßnahmen befragt werden.

„Ärztinnen und Ärzte haben mit ihrem täglichen Kontakt zu Patientinnen und Patienten eine große Reichweite in alle gesellschaftlichen Bereiche. Handlungsmöglichkeiten ergeben sich durch direkte Klimaschutzmaßnahmen in der Praxis, Aufklärungsarbeit über Klimawandel und Gesundheit, und auch Beratung zu klimafreundlichem und gleichzeitig gesundheitsbewusstem Verhalten“, erklärt Nikolaus Mezger, einer der beiden Initiatoren. Die Studie soll erste Daten zu Klimaschutz und ambulanter medizinischer Versorgung in Deutschland schaffen und bundesweit ein möglichst großes und vielfältiges Kollektiv erreichen. „Zum Zeitpunkt des nächsten Ärztetags im Mai 2021, der sich schwerpunktmäßig mit Klimawandel und Gesundheit beschäftigen wird, möchten wir erste Ergebnisse unserer Befragung vorstellen“, fügt Marlene Thöne hinzu. Die Ergebnisse könnten dabei helfen, den Diskurs um Klimaschutz im Gesundheitswesen mit den erhobenen Daten zu untermauern, so die Co-Initiatorin der Studie.

Nach dem Absenden des Fragebogens haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich ein wissenschaftlich fundiertes Hintergrundpapier zu allen im Fragebogen angesprochenen Themen herunterzuladen und Zugang zu weiteren Ressourcen zu bekommen, die für die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und gesunder Lebensstil hilfreich sind.
Die Studie wird vom Umweltbundesamt, dem Virchowbund und der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) unterstützt.

Niedergelassene, aber auch beispielsweise in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) angestellte Ärztinnen und Ärzte können an der Online-Umfrage teilnehmen unter:
www.medizin.uni-halle.de/klimapraxen

Virtuelles Mikroskopieren, digitale Vorlesungen und Präsenzkurse mit Mundschutz: Medizinische Lehre in Zeiten der Corona-Krise

Es ist alles etwas anders in diesem Sommersemester 2020. Ab dem 20. April beginnt, leicht verspätet aufgrund der Corona-Krise und damit verbundenen Anordnungen von Stadt Halle und Land Sachsen-Anhalt, der Lehrbetrieb an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – und damit auch an der Medizinischen Fakultät. Während in anderen Studienfächern die Lehre fast vollständig digitalisiert möglich ist, geht das für Studienfächer wie Medizin oder Zahnmedizin nur bedingt.

„Wir haben zusammen mit dem Lehrausschuss der Fakultät und unserem Dorothea Erxleben Lernzentrum Konzepte für eine digitale Lehre erarbeitet und uns mit den verschiedensten Akteuren, wie dem Landesprüfungsamt, dazu abgestimmt, damit die Leistungen auch anerkannt werden. Andererseits haben wir aber auch Lösungen dafür erarbeitet, wie Seminare und Praktika mit persönlicher Anwesenheit durchführbar sind, denn es gibt Lehrveranstaltungen, bei denen das unabdingbar ist. Unser oberstes Ziel ist, ein didaktisch sinnvolles, verzögerungsfreies Studium zu ermöglichen. Das heißt, das Erreichen der Lernziele ist entscheidend“, sagt Prof. Dr. Michael Gekle, Dekan der Medizinischen Fakultät. Auch vorher habe es bereits digitale Lehrinhalte gegeben, doch nun müsse das umfangreicher angeboten werden.

Vorlesungen, wie die von Prof. Dr. Michael Gekle im Fach Physiologie, sind aufgezeichnet worden und können nun online verfolgt werden.

So werden Vorlesungen über die Plattform StudIP als Videos angeboten oder als „vertonte“ Folien-Präsentationen. Es sind Anleitungen für Arbeitsblätter und Aufgaben online bereitgestellt, die schriftlich zu bearbeiten sind. Für Seminare bestehen ebenfalls diese Möglichkeiten, aber auch Formate wie Chat oder Videokonferenzen.

Im Portal StudIP sind die Online-Inhalte der Lehrveranstaltungen hinterlegt.

Selbst virtuelles Mikroskopieren ist möglich. „Alle Präparate aus unserem Kurs in Halle sind soweit digitalisiert, dass man sie virtuell betrachten und navigieren kann“, sagt Prof. Dr. Faramarz Dehghani vom Institut für Anatomie und Zellbiologie. Möglich ist das über das Projekt „Histo-Hal“, das es bereits längere Zeit gibt. Die virtuelle Mikroskopie ist jedoch ein neues Feature. „In der jetzigen Ausnahmesituation hilft das Projekt, die Lehrveranstaltung komplett digital abzuhalten. Ich bin allerdings der Meinung, dass wir das Mikroskopieren nicht ersetzen können, aber aktuell ist es eine sehr hilfreiche Lösung“, so Dehghani.

Mit dem Projekt „Histo-Hal“ kann nun auch virtuell mikroskopiert werden.

Nach dem 4. Mai werden dann auch wieder sukzessive Präsenzveranstaltungen angeboten, sofern es sich um Veranstaltungen handelt, die zumindest in Teilen nur auf diese Art möglich sind. „Hierfür haben wir ein Konzept mit reduzierter Personenzahl sowie speziellen Zugangs- und „Absperrungsmaßnahmen“ im Falle der Unterrichtsräume am Standort Ernst-Grube-Strasse erarbeitet. Dadurch wird die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln ermöglicht. Kontakte zu Patientinnen und Patienten wird es im Universitätsklinikum in diesem Semester außer für Studierende im Praktischen Jahr und für Studierende der Evidenzbasierten Pflege voraussichtlich nicht geben“, sagt Gekle. Zahnmedizinstudierende üben vor allem am sogenannten Phantomkopf und mit Simulatoren und gegebenenfalls in späteren Phasen des Semesters in unkritischen und zuvor mit dem oder der jeweiligen Betreuer/in abgesprochenen Fällen auch in der Zahnklinik am Patienten.

„Es ist eine außergewöhnliche Situation für alle Beteiligten. Wir haben in enger Abstimmung mit dem Landesprüfungsamt und dem Wissenschaftsministerium jedoch aus meiner Sicht gute Lösungen gefunden, damit den Umständen, aber auch den Zielen des Studiums angemessene Lehre und Prüfungen stattfinden können“, so Gekle.

Neue Methode für Test der Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke entwickelt

Forschende des Instituts für Physiologische Chemie der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg haben eine neue Methode entwickelt, um die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke zu testen. Ihre Ergebnisse haben sie im Journal of Visualized Experiments (JoVE) sowohl in Textform als auch als Video veröffentlicht (doi:10.3791/60692 (2020)).

Mit Hilfe von menschlichen Zelllinien, wie sie auch im Gehirn vorkommen, konnten Veronika Weber, Dr. Heidi Olzscha, Prof. Dr. Rüdiger Horstkorte und Dr. Kaya Bork zeigen, dass die normalerweise sehr dichte Barriere für Bakterien durchlässig werden kann. Diese können so die Blut-Hirn-Schranke durchqueren und zum Beispiel Meningitis auslösen.

Zu den Stoffen, die die Durchlässigkeit erhöhen, gehören die Stoffwechselprodukte von Blutzucker. „Das zeigt einmal mehr, dass ein kontrollierter Blutzuckergehalt und damit eine ausgewogene Ernährung von entscheidender Bedeutung für die Gesundheit sind“, sagt Dr. Heidi Olzscha, Letztautorin der Publikation und Leiterin einer Arbeitsgruppe zu Proteinopathien am Institut für Physiologische Chemie.

Es werde zudem spekuliert, dass auch andere Krankheitsbilder, wie beispielweise das postoperative Delirium, und neurodegenerative Erkrankungen wie die Alzheimer-Krankheit mit einer erhöhten Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke einhergehen.

„Translationsregion für Digitalisierte Gesundheitsversorgung“ (TDG) geht nun in die Umsetzungsphase

Im April 2019 kam die Förderzusage, im Dezember nun beginnt die Umsetzungsphase des Projektes „Translationsregion für Digitalisierte Gesundheitsversorgung“, kurz TDG. In der Zwischenphase wurde daran gearbeitet, das Innovationsmanagement und die Koordination auf die Beine zu stellen, um die Umsetzungsphase strukturiert angehen zu können. Koordiniert von der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wollen die Akteure des TDG-Bündnisses gemeinsam den Herausforderungen des demographischen Wandels begegnen und im Süden Sachsen-Anhalts eine Modellregion für innovative Gesundheitsversorgung mit dem Schwerpunkt ambulante Pflege etablieren.

Die Teilnehmenden der Auftaktveranstaltung zur Umsetzungsphase des TDG-Projekts in den „SaltLabs“ in Halle (Foto: privat)

Im ersten Teil der Auftaktveranstaltung für die Umsetzungsphase informierten Prof. Dr. Patrick Jahn als TDG-Projektleiter und TDG-Koordinator Dr. Karsten Schwarz die etwa 60 anwesenden Bündnismitglieder und Unterstützenden umfassend über die Modalitäten, die für das Einreichen von innovativen Projektvorhaben erfüllt sein müssen. Neben den Anforderungen im dreistufigen TDG-Antragsverfahren (Umsetzungsphase, Grobskizze, Bestätigung durch den Beirat) wurden auch Einzelheiten zum Arbeitsprozess des TDG-Beirats bekannt gemacht.

In Workshops in der zweiten Hälfte der Veranstaltung wurden zudem Ideen für Innovationen in der Häuslichkeit zur Erleichterung von Pflegeroutinen sowie Ausstattungsoptionen für die neu entstehenden Simulationsräume des von der Dieter Schwarz Stiftung geförderten Innovation Hubs im Dorothea Erxleben Lernzentrum der Medizinischen Fakultät eruiert.

„Wir waren überwältigt von dem großen Interesse und der aktiven Beteiligung an der Veranstaltung. Mit diesem engagierten und kreativen Bündnis werden die nächsten Jahre sicher spannend und erfolgreich“, sagt Karsten Schwarz.

Mit dem TDG-Projekt wollen die Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft um Jahn und Schwarz neue Technologien von der Idee bis zur Marktreife bringen. Übergeordnete Ziele sind dabei der Autonomieerhalt im Alter im eigenen Wohnumfeld sowie die technologische Unterstützung des Pflegeprozesses. Daran beteiligt sind mittlerweile mehr als 70 Akteure aus der Kreativwirtschaft, der Hausärzteverband, das Deutsche Rote Kreuz, Fachärztinnen und -ärzte, ambulante Pflegedienste, Wohnungs- und IT-Unternehmen sowie weitere Bildungsträger.

Die TDG wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ gefördert.

Weitere Informationen zur TDG sowie zur Auftaktveranstaltung finden Sie auf der Website: https://inno-tdg.de

Wissenschaft in 60 Sekunden und mehr

Der Nikolaustag hat an der Universitätsmedizin Halle (Saale) ganz im Zeichen der Wissenschaft gestanden – beim 6. Forschungstag der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Der Forschungstag begann mit einem wissenschaftlichen Vortragsprogramm. Im ersten Block ging es um Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Altern, im zweiten um onkologische Forschung.
Junior-Professor Dr. Tony Gutschner erklärt, wie „Elevator Speeches“ funktionieren.

Beim gutbesuchten Vortragsprogramm, das sich in die Blöcke Herz-Kreislauf-Erkrankungen & Altern sowie Onkologie teilte, hatten die Referentinnen und Referenten jeweils mehr als zehn Minuten Zeit, ihr Thema zu präsentieren. 15 (Nachwuchs-) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten sich aber auch der Herausforderung, ihre Forschungsprojekte innerhalb von 60 Sekunden zu erklären. In den sogenannten „Elevator Speeches“, angelehnt daran, ein Anliegen innerhalb der Länge einer Fahrstuhlfahrt zu erläutern.

Dr. Alexander Navarrete Santos (l.) und Maximilian Brückner

Wer die besten Präsentationen lieferte, entschied unter anderem das Publikum mit der Intensität des Applaus‘. Bei den Elevator Speeches siegte Maximilian Büttner, „Sieger der Herzen“ wurde Dr. Alexander Navarrete Santos.

Zusätzlich zu den Vorträgen fanden Postersessions statt. Die Poster waren im Foyer ausgestellt und die Forschung von den jeweiligen Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern anhand dessen einer Jury und anderen Interessierten gegenüber erläutert.

Die besten Vorträge und Arbeiten wurden im Anschluss an die Keynote Lecture von Dr. Michael Cross vom Universitätsklinikum Leipzig ebenfalls mit Preisen ausgezeichnet.

Fahrstuhl-Reden, Postersessions und Vorträge: 6. Forschungstag der Universitätsmedizin Halle (Saale) findet am 6. Dezember statt

Am 6. Dezember wird es wieder voll im Foyer des Lehrgebäudes. Hier stellen (Nachwuchs-)Forschende der Universitätsmedizin Halle (Saale) ihre Arbeit anhand von wissenschaftlichen Postern vor. (Archivfoto)

Dem Publikum innerhalb der Länge einer Fahrstuhlfahrt das eigene wissenschaftliche Projekt erklären, ist nicht ganz einfach. Doch dieser Herausforderung werden sich 15 Menschen beim 6. Forschungstag der Universitätsmedizin Halle (Saale) stellen. Moderiert werden die sogenannten „Elevator Speeches“ (Fahrstuhl-Reden) von Junior-Professor Dr. Tony Gutschner. Allerdings nicht direkt im Fahrstuhl, dafür aber mit Stoppuhr. Mehr als 60 Sekunden werden nicht erlaubt.

Neben diesem Programmpunkt, der von 11.45 bis 12.30 Uhr stattfindet, ist der Forschungstag auch davor und danach gut gefüllt. Nach der Begrüßung der Teilnehmenden durch den Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Michael Gekle, und einer Einführung durch den Prodekan für Forschung, Prof. Dr. Patrick Michl, und den Prodekan für Nachwuchsförderung, Prof. Dr. Michael Bucher, geht es mit der ersten Vortragssession los. Innerhalb einer Stunde präsentieren fünf Rednerinnen und Redner ihre Forschung aus dem Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen & Altern. Die vorgestellten Arbeiten kommen dabei unter anderem aus den Bereichen Psychiatrie, Epidemiologie oder auch Herzchirurgie. Die Moderation dieser Session übernehmen Dr. Kai Knöpp und PD Dr. Daniel Medenwald.

Danach schließt sich die zweite Vortragssession an, die einen Onkologie-Schwerpunkt hat. Moderiert von PD Dr. Ulrich Ronellenfitsch und Dr. Thomas Weber werden ebenfalls innerhalb einer guten Stunde fünf wissenschaftliche Vorhaben präsentiert. Die Vortragenden kommen dabei unter anderem aus den Bereichen Anatomie, Pädiatrie I (Kinderonkologie) oder Molekulare Medizin.

Nach der bereits erwähnten Elevator Speech und einer Mittagspause schließen sich ab 13 Uhr die beiden Posterbegehungen an. Diese sind unterteilt – zunächst werden wissenschaftliche Poster mit ungeraden Nummern begutachtet, danach die mit geraden Nummern. Jeder Posterpräsentierende kann anhand der Abbildungen die eigene Forschung gegenüber der Jury und anderen Interessierten erläutern. Ziel ist, die besten Präsentationen und Vorträge des Forschungstages mit Preisen auszuzeichnen. Doch bevor als letzter Programmpunkt die Preisverleihung erfolgt, wird von Dr. Matt Fuszard einerseits kurz die Core Facility „Massenspektrometrie“ vorgestellt, eine technische Einrichtung im Charles-Tanford-Proteinzentrum, die sowohl von der Medizinischen Fakultät als auch der Naturwissenschaftlichen Fakultät I betrieben und genutzt wird.

Archivfoto: Posterbegehung beim Forschungstag 2018

Andererseits hält Dr. Michael Cross, Leiter des Forschungslabors der Abteilung für Hämatologie und Internistische Onkologie des Universitätsklinikums Leipzig, die Keynote Lecture zum Thema „Epigenetics, Aging and Cancer“. Diese Themen spielen nicht nur in der weltweiten Forschung eine sehr aktuelle Rolle, sondern auch in der Forschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, insbesondere der Medizinischen Fakultät und der Naturwissenschaftlichen Fakultät I. An Studierende und Forschende dieser beiden Fakultäten richtet sich der Tag vornehmlich, aber es sind ebenfalls Interessierte aus anderen Fachbereichen der (Bio-) Informatik, oder den Ernährungswissenschaften eingeladen, die Anknüpfungspunkte zu den Forschungsthemen haben oder suchen.

Insgesamt habe es 94 Anmeldungen für den Forschungstag gegeben, so der Leiter des Prodekanats Forschung, Dr. Mike Tostlebe. Hieraus habe man dann ausgewählt, welche Teilnehmenden einen Vortrag halten werden und wer die eigene wissenschaftliche Arbeit mittels Poster präsentiere, so Tostlebe weiter.