Party statt Vorlesung: Wenn Dozenten zum DJ werden

Einer ist quasi ein alter Hase: apl. Prof. Dr. Stefan Watzke von der Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Die anderen beiden, Prof. Dr. Guido Posern, Direktor des Instituts für Physiologische Chemie, und Dr. Kristina Schädlich, Mitarbeiterin am Institut für Anatomie und Zellbiologie, zittern hingegen schon ein wenig. Worum es geht? Die „Hallesche Professorennacht“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mein Prof. ist ein DJ“. Am Freitag, 23. November 2018, tauschen die drei genannten Vertreter der Universitätsmedizin Halle (Saale) das Rednerpult gegen das Mischpult und werden vor vollem Haus im Volkspark Halle auflegen.

Da will man doch gern noch etwas mehr wissen und so wurden alle drei:

1) nach der Musik, die sie für den „großen Abend“ ausgewählt haben und den Gründen dazu,
2) ob sie aufgeregt sind, auch weil ihre Studierenden sie nun eher privat erleben,
3) ob sie an eine Fortsetzung der Glückssträhne im „Kampf“ um den „Goldenen Notenschlüssel“ glauben oder den Sieg auch ihren Kollegen der anderen Fakultäten gönnen und
4) wie schwierig es sein wird, wachzubleiben

gefragt. Und sie haben bereitwillig geantwortet:

apl. Prof. Stefan Watzke: 

1) Wie im letzten Jahr auch habe ich mich für Musik entschieden, die zuerst tanzbar sein sollte und zum zweiten eine Brücke schlägt – d.h., es finden sich Titel, zu denen ich noch tanzen ging und Stücke, die aktuell sind und zu denen ich selber auch tanzen würde.

2) Im letzten Jahr war ich natürlich aufgeregter, da ich nicht wusste, was da auf mich zukommt. In diesem Jahr bin ich entspannter – weil ich weiß, dass es ein lustiger Abend wird und das ein tolles Team die Veranstaltung organisiert und für die „DJs“ da ist. Ich denke, dass man als Hochschullehrer auch in Vorlesungen und Seminaren immer auch persönlich in Erscheinung tritt – insofern habe ich keine Sorge. Völlig anders als in meinen Veranstaltungen bin ich auch bei der Prof-Nacht nicht.

„Ein kleines bisschen Schlaf dazwischen wäre ganz gut….“

3) Wer gewinnt, ist überhaupt nicht wichtig. Ich glaube auch, dass es hier nicht um die Musik und auch nicht um die DJs geht. Die Studierenden feiern und stärken natürlich ihrer Fakultät durch ihren Applaus den Rücken. Da haben es große Fakultäten natürlich leichter. Und da die Mediziner ja auch eine prima Partykultur haben, sind sie vielleicht auch in diesem Jahr wieder ganz vorn. Freuen würde mich das, gönnen würde ich es aber auch allen anderen.

4) Na mal sehen. Ich bringe meine Kinder ins Bett – gehe zur Prof-Nacht und werde wohl so gegen 7 wieder geweckt. Ein kleines bisschen Schlaf dazwischen wäre ganz gut….

Dr. Kristina Schädlich:

1) Die Songs die ich mir ausgesucht habe sind meine persönlichen und absoluten „all time favorites“. Ich verbinde mit ihnen tolle Erinnerungen und sie machen einfach gute Laune – und darum soll es ja gehen. Dabei ist z.B. der Song, bei dem ich vor fast genau 18 Jahren meinen Mann kennengelernt habe, auf einer Party von Freunden, danach ging es in die Palette zur „Frischobstparty“ und seitdem sind wir zusammen, da war ich 17 Jahre alt. Der Titel dieses Songs ist „The next episode“ von Dr. Dre feat. Snoop Dog – und irgendwie passt das ja auch ganz gut. Außerdem ist der Intro-Song einer bekannten Comedy-Serie dabei bei dem man einfach abgehen muss, dann einer der mich zum Fan von deutschem Hip Hop hat werden lassen – allerdings meine ich nicht den Möchtegern-Gangsta-Rap von heute, sondern Bands wie Fettes Brot, Deichkind, Fanta 4 Freundeskreis und Co. Ebenfalls auf der Liste steht ein Typ aus Seattle, der absolut humorvolle Texte mit richtig gutem Sound verbindet. Ich hoffe ich habe nicht zu viel verraten, denn es soll ja auch noch einen gewissen Überraschungseffekt geben.

„Natürlich treten wir an, um zu gewinnen!“

2) Ich habe sowas noch nie gemacht und bin mega aufgeregt. Ich habe kein Problem damit, dass Studenten auch meine private Seite kennenlernen. Als „jüngerer“ Dozent, und vor allem als Naturwissenschaftler, ist man sowieso etwas lockerer im Umgang mit den Studenten bzw. ist man viel flachere Hierarchien gewöhnt als es vielleicht in anderen Disziplinen der Fall ist.

3) Natürlich treten wir an, um zu gewinnen! Die Titelverteidigung ist unsere Motivation! Am Ende sei der Sieg natürlich dem besten DJ von Herzen gegönnt, auch wenn er einer anderen Fakultät angehört – das ist Fairplay!

4) Oh das wird schwer! Als Mutter von zwei Kindern gehe ich nicht mehr regelmäßig weg. Außerdem ist es ein Freitag, da klingelt mein Wecker 5.50 Uhr, dann werden die Kinder in Schule und Kita gebracht und dann geht es 7.30 Uhr mit der Arbeit los! An diesem Tag haben wir auch Präparierkurs, und der ist nicht nur für unsere Studierenden anstrengend… Ich habe mir überlegt, eventuell einfach vorzuschlafen! Ich denke aber, dass mich das Adrenalin schon wachhalten wird!

Und last, but not least – Prof. Dr. Guido Posern:

1) Die ausgesuchten Songs werden natürlich nicht vorab verraten. Naturgemäß entsprechen sie meinen eigenen Geschmack, da ich ja kein professioneller DJ bin, der den Musikgeschmack anderer Leute erraten kann. Aber es sind auch Stücke, die ich schon oft in Clubs oder auf Parties gehört habe, wo sie gut ankamen.

„Hauptsache ist doch, dass es insgesamt für alle eine tolle Party wird!“

2) Die Veranstaltung ist natürlich etwas ganz besonderes. Aber dass ich dabei im Blickpunkt der Studierenden stehe – das ist in gewisser Weise gar nicht so unähnlich zur Situation jeder Vorlesung. Zumindest hoffe ich das momentan noch. Ein gewisses „Lampenfieber“ bleibt aber – übrigens auch bei jeder Lehrveranstaltung. Im Rampenlicht zu stehen ist generell nicht meine Sache, aber ich werde mein Bestes geben.

3) Möge der Bessere gewinnen! Natürlich würde sich jeder über den Sieg freuen. Aber Hauptsache ist doch, dass es insgesamt für alle eine tolle Party wird!

4) Ich denke, das Wachbleiben an dem Abend wird mein geringstes Problem.

Weitere Informationen zur Veranstaltung (z.B. auch den Kauf von Karten/Eintritt/Beginn) auf Facebook.

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