Von Urkunden, Goldenen Doktorjubiläen und der Taufliege Drosophila

Die Doktorand/-innen und Habilitant/-innen mit ihren Urkunden

Die Doktorand/-innen und Habilitant/-innen der Medizinischen Fakultät Halle mit ihren Urkunden Foto: Fotostelle UKH

Am Wochenende haben die Doktoranden und Habilitanten der Medizinischen Fakultät Halle in der Aula des Löwengebäudes der Martin-Luther-Universität ihre Urkunden erhalten. Im Rahmen des akademischen Festaktes fand zudem die zweite Erxleben-Lecture statt, die in diesem Jahr von Professorin Dr. rer. nat. Elisabeth Knust gehalten wurde. Die besondere Vorlesung wird zu Ehren Dorothea Christiane Erxlebens veranstaltet, die 1755 an der Universität Halle zur ersten Ärztin Deutschlands promoviert wurde.

Prof. Elisabeth Knust, Referentin der zweiten Erxleben-Lecture

Prof. Elisabeth Knust, Referentin der zweiten Erxleben-Lecture

Die Direktorin des Max-Planck-Institutes für Molekulare Zellbiologie und Genetik Dresden sprach zum Thema „Klein, aber oho: Die Taufliege Drosophila in der Grundlagenforschung“. Die Leibniz-Preisträgerin stellte in einem kurzweiligen Vortrag dar, warum diese Fliegen, die man gemeinhin besser als Obstfliegen kennt, in der Wissenschaft so beliebt sind. Die Tiere sind ein sogenannter Modellorganismus, weil sie unter anderem einerseits leicht zu reproduzieren und zu halten sind, und zum anderen, weil ihr Genom vollständig bekannt ist.

Prof. Knust erklärte anhand dessen ihre Forschung zu retinalen Erkrankungen, also Erkrankungen des Auges, die zu Erblindung führen. „Es sind vor allem Erkrankungen, die altersbedingt zunehmen“, sagte sie. Und sie seien neben dem Einfluss von Stress, Umweltfaktoren oder eben des Alters in vielen Fällen genetisch bedingt. Sie zeigte, dass obwohl Drosophila vom Aufbau her ganz andere Augen haben als der Mensch, auf zellulärer Ebene kaum Unterschiede vorhanden und die Vorgänge in den Zellen und Photorezeptoren die gleichen sind.

Das Absterben von Photorezeptoren im Auge kann beispielsweise an einem deaktivierten Gen liegen. Dadurch werde das sogenannte Rhodopsin, ein Sehpigment, nicht aus der Zelle weitertransportiert werde und die Ansammlung in der Zelle toxisch ist. Die Zelle stirbt ab. Auch der Lichteinfall in das Auge führt nach fünf bis sieben Tagen dazu, dass die Photorezeptorzellen sterben. Die Folge ist eine Erblindung.

Prof. Knust wies aber ebenso daraufhin, dass eine Vitamin-A-arme Ernährung der Degeneration entgegenwirken kann, weil das Vitamin eine Vorstufe des Rhodopsins ist. „Allerdings ist das für den Menschen nicht praktikabel, denn das Vitamin wird auch anderswo im Körper benötigt“, so Prof. Knust.

Gleichzeitig würdigte sie das Schaffen Dorothea von Erxlebens als Frau in der Wissenschaft und sagte, dass sie dankbar sei für Frauen wie sie sowie auch für ihre Gemeinsamkeit, dass sie von ihren Eltern in ihrem Weg unterstützt worden seien. „Sonst würde ich hier heute nicht stehen“, so Prof. Knust.

Dann wendete sich die Veranstaltung dem zu, was der Dekan, Prof. Dr. Michael Gekle, zuvor schon gewohnt unterhaltsam als „akademische voradventliche Bescherung der „Ur-Ur-Ur-Ur-Ur- …-Enkel und -Enkelinnen von Dorothea Erxleben“ bezeichnete bei gleichzeitiger Mahnung, dass mit der Dissertation die Verpflichtung einhergehe, diese Befähigung zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten auch für eine tolerantere, freie Welt einzusetzen: Die Urkundenverleihung.

Zunächst wurden drei Goldene Doktorjubiläen gewürdigt, und als Besonderheit gingen zwei davon an das Mediziner-Ehepaar Hadwig und Friedrich Röpke. Für Lacher im Publikum sorgte die Anmerkung, dass Hadwig Röpke bei gleichzeitigem Start immerhin ein halbes Jahr früher promovierte als ihr Mann, der wiederum von 1994 bis 2005 Direktor der damaligen Universitätsklinik für Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin in Halle gewesen ist. Das dritte Goldene Doktorjubiläum beging Dr. Wolfgang Höpfner, dessen Dissertationsthema großen Anklang fand, befasste er sich doch mit Trinksittenforschung.

Danach folgte die Urkundenübergabe an drei Habilitanden und eine Habilitandin sowie 105 Doktoranden und Doktorandinnen. Von letzteren schnitten drei mit dem Prädikat „summa cum laude“ ab und erhielten neben ihrer Promotionsurkunde noch die Luther-Urkunde der Universität Halle. 47 Doktorandinnen und Doktoranden schlossen mit „magna cum laude“ sowie 49 mit „cum laude“ ab.

Noch einige Eindrücke:

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