Endlich wieder Leben in und vor den Hörsälen – Rückblick auf den 7. Forschungstag der Medizinischen Fakultät

Nach zwei Jahren pandemiebedingten Ausfalls lud die Medizinische Fakultät der Universitätsmedizin Halle (UMH) am Freitag erstmals wieder zum Forschungstag. „Ich freue mich, dass wir nach so langer Zeit endlich mal wieder persönlich zusammenkommen können“, kommentierte Dr. Mike Tostlebe vom Prodekanat für Nachwuchsförderung am Freitag vor Ort. Eine digitale Ausrichtung habe man in den letzten beiden Jahren zwar erwogen, aber wieder verworfen: „Das lebt ja hier von der Stimmung im Hörsaal und vom direkten Austausch“. 220 Teilnehmende zählte der Organisator bei der siebten Ausgabe des Forschungstags.

Insgesamt 92 Nachwuchswissenschaftler*innen, die meisten von ihnen Doktorand*innen an der UMH, nutzten die Gelegenheit, um im Hörsaalgebäude des Uniklinikums (UKH) ihre Arbeiten zu präsentieren. Zehn von ihnen beteiligten sich mit einer Präsentation an einer der beiden Vortragssessions. Außerdem hatten 82 Teilnehmende Poster vorbereitet, die in zwei Begehungen am Vormittag und am Nachmittag im Gang vor den Hörsälen gezeigt wurden. Die Präsentierenden hatten dort die Gelegenheit, ihre Forschungsergebnisse der wissenschaftlichen Jury und weiteren Interessierten vorzustellen und ihnen Rede und Antwort zu stehen. Die Jury, bestehend aus Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen der UMH, beurteilte Vorträge und Poster nach festgelegten Kriterien und kürte die besten Beiträge.

Den Auftakt der Veranstaltung bestritt der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Michael Gekle, mit einem kurzen Diskurs über die Ziele und Motive beim Erlernen von Wissenschaft und Forschung. Wissenschaftlichkeit, so Gekle, sei ein konstitutionelles Element der gesundheitlichen Daseinsvorsorge. Er forderte die Nachwuchswissenschaftler*innen auf, neugierig und relevant zu forschen – wenn auch noch ein Titel dabei herauskäme, sei das natürlich kein Schaden.

Dekan Prof. Dr. Michael Gekle begrüßt die Teilnehmenden des 7. Forschungtags

Die anschließende erste Vortragssession drehte sich um Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Altersmedizin, mit Arbeiten aus den Bereichen Physiologische Chemie, Anatomie, Pflegewissenschaft, Orthopädie und Herzchirurgie. Moderiert wurde die Sitzung von Prof. Dr. Tino Prell und Dr. Kai Knöpp.

Ein bisschen Showtime zog in den Hörsaal ein, als im nächsten Programmpunkt Jun.-Prof. Dr. Tony Gutschner die „Elevator Speeches“ präsentierte: 15 Nachwuchswissenschaftler*innen bemühten sich in einem 60-sekündigen Kurzvortrag um die Gunst des Publikums. Der Kerngedanke einer Elevator Speech ist es, innerhalb einer Aufzugsfahrt einer wichtigen Person das eigene Thema nahe zu bringen – und dabei auch noch zu überzeugen. Anders als bei den Vorträgen und Posterpräsentationen konnten die Nachwuchswissenschaftler*innen hier auch mit rhetorischen Fähigkeiten, Charme und Witz punkten. Die Auswahl der preiswürdigen „Elevator Speeches“ oblag dem Publikum, das dem Ausmaß seiner Begeisterung durch Applaus Ausdruck verlieh.

Die Keynote des Forschungstags mit dem Titel „Reducing waste und increasing value in biomedical research“ hielt Prof. Dr. Ulrich Dirnagl, Direktor der Abteilung Experimentelle Neurologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin. In der biomedizinischen Forschung würden mittlerweile viel zu viele und nicht immer nützliche Forschungsdaten produziert – in seinem Vortrag beschäftigte sich Dirnagl mit Möglichkeiten zur Verbesserung dieses Zustands.

Am Nachmittag folgte die zweite Vortragssession mit Nachwuchsarbeiten zum Thema Onkologie, mit Vorträgen aus den Bereichen Innere Medizin IV, Neurochirurgie, Klinische Ethik am UKH und dem Krukenberg Krebszentrum Halle.

Mit p-Werten muss sich jeder*r mit quantitativen Methoden arbeitende Wissenschaftler*in auseinandersetzen, machen sie doch eine statistische Aussage darüber, wie signifikant ein behaupteter Zusammenhang ist. „Was Sie schon immer über p-Werte wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten“ konnten die Teilnehmenden des Forschungstags am Nachmittag im Vortrag von apl. Prof. Dr. Wienke vom Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik erfahren.

Beschlossen wurde die Veranstaltung mit einem Fazit des Prodekans für Nachwuchsförderung Prof. Dr. Michael Bucher und der Preisverleihung. Die besten Nachwuchsarbeiten wurden mit jeweils 200 Euro, gestiftet durch den Förderverein der Universitätsmedizin Halle, prämiert.

Für die besten Vorträge wurden Lars Saemann (Herzchirurgie, „A Prediction Model for Contractile Function of Circulatory Death Donor Hearts Based on Microvascular Flow Shifts During Ex-situ Hypothermic Cardioplegic Machine Perfusion”) und Oleksandra Skorobohatko (Innere Medizin IV,    „Charakterisierung des Oberflächenmarkers ROR1 als mögliches Target einer CAR-T-Zelltherapie im anaplastischen Schilddrüsenkarzinom“) ausgezeichnet. Die Preise für die besten Poster gingen an Anastasia Doroshenko (HLA-Labor), Désiré Klos (Physiologische Chemie), Julia Müller (Physiologische Chemie), Sophie Sand (Anatomie), Roland Jacob (Nachwuchsgruppe RNA-Biologie) und Julia Engel (Gynäkologie). Die Publikumspreise für die besten „Elevator Speeches“ nahmen Johanna Straube (Anatomie), Birte Gohde (Herzchirurgie) und Simon Graf (Radiologie) mit nach Hause.

Die Preisträger*innen des 7. Forschungstages der Universitätsmedizin Halle

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