Apotheken-Drohnen-App: Benutzerfreundlichkeit und Skepsis werden in Entwicklung einbezogen

Dr. Franziska Stephan erläutert dem ADApp-Projektteam die Rückmeldungen aus den Fokusgruppen-Befragungen und den Plan für die Gruppenarbeit. (Bildquelle: Universitätsmedizin Halle)

Der erste Drohnenflug war aufregend und hat für großes Interesse gesorgt. Doch beim Projekt „ADApp“ geht es nicht nur um den Transport von Medikamenten per Drohne, sondern vor allem um die Entwicklung einer Apotheken-Drohnen-App, eben einer ADApp, und um die praktische Umsetzung einer Medikamentenlieferung aus der Apotheke zur Patientin oder zum Patienten. Dabei sind viele Dinge zu berücksichtigen: Die Übermittlung des eRezeptes an die Apotheke, die Bestückung der Drohne und die zugehörige Logistik, aber eben auch, dass das Medikament bei der- oder demjenigen, wo es hinsoll, sicher ankommt.

Um mögliche Bedenken diesbezüglich zu erfahren, aber auch die Wünsche hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit zu eruieren, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitätsmedizin Halle Diskussionen von Nutzergruppen, sogenannten Fokusgruppen, moderiert: Patientinnen und Patienten, Apothekerinnen und Apotheker, aber auch Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegefachkräfte. „All diese Gruppen haben aus unterschiedlichen Blickwinkeln eine Haltung zu dem Thema, die einbezogen werden soll. Denn es geht uns nicht nur um die praktische Umsetzung eines Medikamenten-Transports per Drohne, sondern auch darum, herauszufinden, wie es überhaupt um die Akzeptanz bestellt ist“, erläutert Dr. Franziska Stephan, ADApp-Projektkoordinatorin und Wissenschaftlerin in der AG Versorgungsforschung | Pflege im Krankenhaus an der Universitätsmedizin Halle.

Die nutzerzentrierte wissenschaftliche Begleitung übernimmt die Universitätsmedizin Halle. Zum wissenschaftlichen Part gehörte auch die Befragung der Fokusgruppen. Deren Auswertung fand in einem Workshop des ADApp-Teams im Digital Health Care Hub im Dorothea Erxleben Lernzentrum der Universitätsmedizin Halle statt.

Das Projektteam von ADapp tauscht sich über die Befragungen und weitere Schritte im Projekt aus. (Bildquelle: Universitätsmedizin Halle)

So stellte sich heraus, dass alle Gruppen nicht generell skeptisch sind, sondern berechtigte Fragen haben: Ist der Zustellprozess diskret genug, aber dennoch als wichtige Medikamentenlieferung ersichtlich? Was ist bei Mehrfamilienhäusern? Wie laut ist so eine Drohne und schadet die Lieferung beispielsweise der Vogelwelt? Ist die App leicht bedienbar und ginge es auch ohne Smartphone? Wie soll der Lieferprozess und die Vorhaltung von Drohnen logistisch bei den Apotheken umgesetzt werden? Wie verhindert man Vandalismus an den Drohnen? Und wer darf das Medikament entgegennehmen und den Empfang bestätigen, wenn es der eigentliche Patient nicht kann, weil beispielsweise ein gebrochenes Bein das verhindert? Und mit wem kommuniziert die Apotheke dann – mit einem Pflegedienst, einer Klinik oder mit dem Patienten? Letztere beiden Frage waren auch ein Thema, das insbesondere ambulante Pflegefachkräfte betrifft, die damit Wege zur Apotheke sparen könnten und somit Zeit für die Versorgung der Patienten gewinnen, wenn benötigte Medikamente direkt geliefert werden.

„Auch für die palliative Versorgung wäre das ein Plus. Wenn die Pflegefachkraft einen akuten Bedarf feststellt, kann sie bei den behandelnden Ärzten ein eRezept ordern, das mit der ADApp an die Apotheke übermittelt wird. Diese schickt das Medikament sofort per Drohne zum Patienten und die pflegende Person kann die ganze Zeit beim Betroffenen bleiben und das Medikament entgegennehmen“, beschreibt Martin Grünthal einen möglichen Anwendungsfall. Die Ärzteschaft, so zeigte die Befragung, wolle jedoch in die Kommunikation eingebunden sein, beispielsweise wollen sie über die Zustellung der Sendung informiert werden.

In zwei Gruppen wurde vom ADApp-Team erarbeitet, welche der Anregungen und geäußerten Kritikpunkte sich umsetzen lassen, welche nicht in der Hand der Projektbeteiligten liegen und für welche dieser Punkte für Folgeprojekte lohnenswert wären. „Die konkreten Ergebnisse der Fokusgruppenbefragung werden zum einen auch mit den Befragten selbst in weiteren Workshops diskutiert sowie in eine Publikation einfließen, die in den kommenden Monaten geplant ist“, sagt Franziska Stephan vorausblickend.

ADApp ist eines der Projekte, die vom Bündnis Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung (TDG) unter Leitung der Universitätsmedizin Halle für eine Förderung ausgewählt wurden. Die Projektidee kommt aus der Praxis – von Apotheker Martin Grünthal und Sirko Scheffler, Geschäftsführer der Firma Brain-SCC GmbH. Mit im Boot sind der Drohnen-Entwickler DiAvEn und die Hochschule Anhalt, die für den Bereich Logistik und die Integration der notwendigen Systemkomponenten als weiterer wissenschaftlicher Partner verantwortlich sind. Die ADApp stellt ein Novum für den deutschen Raum dar. Aktuell werden bereits Drohnen für die Gesundheitsversorgung zwischen Kliniken in Großstädten wie München oder auch zur Versorgung im ländlichen Raum beispielsweise in Westafrika eingesetzt. Das Besondere an ADApp ist, dass hier erstmalig der gesamte Versorgungsprozess von der Ausstellung des e-Rezeptes beim Arzt, über die Bestellung in der Apotheke bis zur Lieferung per Drohne direkt vor die Haustür der Patientin beziehungsweise des Patienten oder einer Einrichtung digital koordiniert werden kann.

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