Symposium anlässlich des 20. Jubiläums der Mitteldeutschen Corneabank Halle

Ohne gesunde Hornhaut könne auch die beste Netzhaut kein Bild generieren, sagte der Dekan der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Michael Gekle, in seinem Grußwort anlässlich des Halleschen Hornhautsymposiums in der Aula des Löwengebäudes der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Viele Patientinnen und Patienten, die von einer gespendeten Hornhaut profitieren, Vertreterinnen und Vertreter der Deutschen Stiftung Organspende sowie der Universitätsmedizin Halle (Saale), von der Bundeszentrale für Patientenaufklärung und von den Landesbehörden Sachsen-Anhalts waren der Einladung gefolgt. I

Gekle betonte den genossenschaftlichen Aspekt der „Gewebebank“, denn sie agiere nicht profitorientiert. In die Bank werden zwei Hornhäute eines Spenders gegeben. Diese werden kultiviert und die Pumpzellen der Hornhaut gepflegt und ernährt – bis sie zur Transplantation freigegeben wird. Dann heben zwei Empfänger je eine Hornhaut von der „Bank“ ab. Im November 2018 wurde dank der Mitteldeutschen Corneabank Halle (MCH) die 4000. Hornhaut am UKH transplantiert und hat Patientinnen und Patienten ihre Sehkraft wiedergegeben. In den vergangenen 20 Jahren wurden fast 10.000 Hornhäute in der Hornhautbank am Universitätsklinikum Halle (Saale) kultiviert. Wie Martin Börgel, Geschäftsführer der gemeinnützigen Fachgesellschaft DGFG, sagte, sei die MCH die einzige und eine der ältesten Hornhautbanken im mitteldeutschen Raum. Bundesweit zähle sie zu den großen fünf Gewebebanken. Mit 74 Prozent transplantierbaren Hornhäuten nehme sie in der Bundesrepublik einen Spitzenplatz ein, was nicht zuletzt an den regelmäßigen Schulungen und Zertifizierungen liege.

Neben Informationen zum historischen Werdegang der Hornhautransplantation wurden von Prof. Arne Viestenz und Dr. Andrea Huth von der Universitätsklinik und Poliklinik für Augenheilkunde des UKH auch Patientenschicksale vorgestellt: Wie eine Epithelinvasion ein Auge zerstörte, weil die Hornhaut zu spät transplantiert wurde. Wie ein blindes Traumaauge nach Pol-zu-Pol-Chirurgie mit Hornhauttransplantation wieder sehen konnte oder wie ein Fünfjähriger Junge nach einem harmlosen Katzenkratzer beinahe sein Augenlicht verloren hätte. Nur eine Hornhautspende rettete sein Sehvermögen.

Aber auch aktuelle, modernste Behandlungsverfahren kamen zur Sprache. Dr. Anja Viestenz (ebenfalls UKH) stellte das hochpräzise Laserverfahren mit dem Excimer-Laser vor. Seit 2018 setzen die Augenärzte am UKH in Halle diesen bei der Hornhauttransplantation ein. Prof. Dr. Thomas Hammer (UKH) und Dr. Erik Chankiewicz (Bremen) zeigten mittels intraoperativer OCT-Technologie, wie ultradünne Zellschichten (DMEK) transplantiert werden und die Hornhaut so aufklart. Das Verfahren nach Chankiewitz ermöglicht die Transplantation des Endothels auch bei linsenlosem Auge. Des Weiteren stellte  Prof. Dr. Hans Gert Struck (UKH) die aktuellen Kernaussagen der AMWF-S2-Leitlinie zu Hornhautverätzungen dar. Die Spülung ist als Sofortmaßnahme immer noch erstes Mittel der Wahl. Chirurgische Verfahren bis hin zur Übernähung von Bindehaut oder einer Putschkovskaya, wie in Halle aufgrund vieler Chemieunfälle praktiziert, können Augenlicht retten.

Dr. Miltiadis Fiorentzis (UKH) zeigte, wie man bei akuter Transplantatabstoßung die Hornhaut mittels flüssiger Dexamethasoneingabe erfolgreich retten kann – entscheidend ist auch hier die frühzeitige Intervention. Die Konfokalmikroskopie der Hornhaut kann sofort pathogene Keime an einer infizierten Hornhaut nachweisen. Dieses von Prof. Dr. Rudolf Guthoff (Rostock) entwickelte Verfahren stellte Sebastian Bäurle (UKH) im klinischen Einsatz bei Pilz- und Akanthamöbeninfektion der Hornhaut vor und zeigte die neuartige Technik einer invertierten Mikroskopie am UKH. Dr. Jens Heichel (UKH) betonte: „Eine Hornhaut kann nur dann transparent bleiben, wenn die Lider zur Benetzung und zum Schutz der Hornhaut beitragen.“

In einer Podiumsdiskussion wurde zudem der gemeinnützige Aspekt der Gewebespende diskutiert. Einstimmig sprachen sich die Diskutanten gegen Organhandel aus. Nur mit kooperativen, gemeinnützigen Strukturen könne die Patientenversorgung mit Hornhauttransplantaten in Deutschland verbessert werden. Doch nicht nur im Inland wird geholfen. Kommendes Jahr reisen Viestenz, Wilhelm und Börgel zu einer befreundeten Augenklinik nach Peru, um vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe und zum Aufbau einer Hornhautbank zu leisten.

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